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Zeitschrift für Hochschuldidaktik Nr. 1-2/1996:
Qualität der Hoschschullehre

Elisabeth JANDL-JAGER |

Evaluation der Wahlfächer an der medizinischen Fakultät der Universität Wien - ein Diskussionsbeitrag
Evaluation of Electives at the University of Vienna School of Medicine

Seit der letzten Reform des Medizinstudiums wurden an der Fakultät viele Wahlfächer geschaffen. Obwohl sie grundsätzlich der Vertiefung des Wissens in einem bestimmten Bereich gewidmet sein sollten und den MedizinstudentInnen eine Einführung in wissenschaftliches Arbeiten bieten sollten, ist das tatsächliche Lehrangebot der Wahlfächer sehr heterogen. Bei den Wahlfächern handelt es sich aber um ein Lehrveranstaltungsangebot, das von den StudentInnen gerne angenommen wird, da rund 80% von ihnen wenigstens zwei Wahlfächer absolvieren. Es ist daher sehr wohl wert sich näher mit diesem Lehrveranstaltungstyp zu befassen.

Da das UOG'93 eine Evaluation von Pflichtlehrveranstaltungen zwingend vorschreibt (sowie auch die Evaluation von Studienabschnitten und Studienrichtungen) sollten die Möglichkeiten der Evaluation der Wahlfächer an der medizinischen Fakultät diskutiert werden.

Grundsätzlich ist zu überlegen, welche Lehr- und Lernziele mit dem Wahlfach vermittelt bzw. erworben werden sollen. Da das Angebot einerseits so heterogen ist, aber andererseits doch eine gewisse Vergleichbarkeit der Evaluation an der Fakultät gewährleistet sein sollte, möchte ich vorschlagen , daß sich jeder Lehrbeauftragte die Lehrziele seines/ihres Wahlfachs überlegt und schriftlich festhält.

Wenn man sich an den grundsätzlichen Zielen der Medizinerausbildung orientiert, nämlich:

  • Vermittlung von Fertigkeiten

  • Vermittlung von Problemlösungsfähigkeiten

  • Vermittlung von Einstellungen

  • Vermittlung von Theorie

so können damit in einer allgemeinen Form auch die Lehrziele von Wahlfachveranstltungen definiert werden. Zweifellos wird bei den verschiedenen Wahlfächern die Gewichtung der vier Ausbildungsziele unterschiedlich ausfallen. Ein Lehrbeauftragter könnte also die Gewichtung der vier grundsätzlichen Lehrziele für das eigene Wahlfach festlegen und gleichzeitig auch festlegen, worin diese Ziele für die eigene Lehrveranstaltung konkret bestehen. Damit ist bereits das Ziel vorgegeben dessen Erreichung durch die LehrveranstaltungsteilnehmerInnen überprüft werden soll. Je konkreter die Lehrziele der Lehrveranstaltung definiert werden, umso leichter ist die Evaluation. Gleichzeitig ist aber auch zu definieren und für die StudentInnen möglichst transparent zu machen in welcher Weise die Erreichung des Lehrziels überprüft wird (z.B. praktische Durchführun einer ärztlichen Tätigkeit, Durchführung eines wissenschaftlichen Experiments etc.).

Nur wenn die zu erreichenden Ziele klar sind und die Art der Messung der Zielerreichung definiert wird, ist eine sinnvolle Evaluation der eigenen Lehrtätigkeit möglich. Die hier beschriebenen ersten Schritte sind vielleicht für manche Lehrenden der Medizin ein ungewöhnlicher Zugang zur eigenen Tätigkeit und erfordern zweifellos einiges an Überlegung vor Beginn der Lehrveranstaltung und an Diskussion mit den Lehrveranstaltungs-teil-nehmerInnen. Darüberhinaus sind noch die Rahmenbedingungen der Lehrveranstaltung zu überlegen und Rückmeldungsmöglichkeiten für die TeilnehmerInnen einzuplanen. Für diese Rückmeldungen können die Fragebogen zur Rückmeldung über Lehrveranstaltungen verwendet werden, wie sie von schon vor längerer Zeit vom Vorsitzenden der Studienkomission und anderen zur Verfügung gestellt wurden.

Es besteht keine Frage, daß die Evaluation von Lehrveranstaltungen in Zukunft sowohl in der Studienkomission wie auch in der Lehrauftragskomission sowie in den Nachfolgekomissionen bei der Vergabe von Lehraufträgen Berücksichtigung finden wird. Es soll aber nochmals daran erinnert werden, daß Evaluation kein Selbstzweck ist und nicht nur der Kontrolle eines wesentlichen Tätigkeitsbereichs von Universitätslehrern dient, sondern vor allem die Verbesserung der Kommunikation zwischen den Lehrenden und Lernenden, sowie eine Qualitätssicherung des Lehrangebots zum Ziel hat.

Es kann auch nicht Sinn der flächendeckend einzuführenden Evaluation von Lehr-ver-anstaltungen sein, die Lehrenden mit dieser für sie neuen Aufgabe allein zu lassen. Wenn damit Qualitätssicherung betrieben werden soll, müssen die Lehrenden die Möglichkeit haben für diese, für sie neue Tätigkeit Unterstützung zu bekommen. Es müßte daher von der Studien-komission eine Stelle eingerichtet werden, an die sich die Lehrenden um Unterstützung in praktischen Fragen der Evaluation wie auch der Verbesserung ihres Lehrangebots, wenden können.

Evaluation ist ein Instrument der Selbstkontrolle aber auch der Fremdkontrolle. Mit Einführung des UOG'93 an der Wiener Universität werden beide Seiten zum Tragen kommen. Es geht nicht an nur von oben zu kontrollieren ohne gleichzeitig Unterstützung zu geben. Es wird daher der neue Studiendekan, oder welches Gremium auch immer an seiner Stelle etabliert wird, aufgerufen sein, den Lehrenden der medizinischen Fakultät die Hilfsmittel an die Hand zu geben, die ihnen die Erfüllung ihrer Lehraufgaben im Sinne der Lehrziele des Medizinstudiums erst ermöglicht. Gleichzeitig ist wohl festzuhalten, daß es wenig Sinn macht darauf zu warten, daß von außen Kontrollen über die ordnungsgemäße Erfüllung der Unterrichtsaufgaben eingeführt werden. In diesem Sinn kann den KollegInnen der medizinischen Fakultät nur empfohlen werden, möglichst rasch Überlegungen zur sinnvollen Evaluation ihrer Lehrveranstaltungen anzustellen und diese auch systematisch durchzuführen.

Anhang

ANREGUNG ZUR EVALUATION DER WAHLFÄCHER

Das UOG'93 hat uns die Verpflichtung zur Evaluation von Pflichtlehrveranstaltungen auferlegt. Die Studienkommission sieht in dieser Verpflichtung jedoch auch eine Chance, das Spektrum der Lehraktivitäten zu erheben und ­ unser eigentliches Anliegen ­ Anregungen zur Verbesserung der Qualität der Lehre zu liefern.

Die an unserer Fakultät angebotenen Wahlfächer sind inhaltlich, wie auch in der Durchführung äußerst heterogen. Um die Möglichkeit zu schaffen, daß die Lehrenden Erfahrungen mit Evaluationen sammeln und das Evaluationswesen an der Fakultät entwickelt wird, ersuchen wir Sie, die folgenden Fragen für jenes Wahlfach zu beantworten, dessen Durchführung Ihnen die Studienkommission, Ihrem Antrag folgend, genehmigt hat.

Titel des Wahlfachs:

Lehrveranstaltungsleiter

Da vor jeder Evaluation die Ziele definiert werden müssen, bitten wir Sie zu überlegen, in welchem prozentuellen Ausmaß die folgenden fünf Bereiche Ziele Ihrer Wahlfachausbildung sind:

Einüben von Fertigkeiten........%
Reflexion von Einstellungen........%
Entwicklung von Problemlösungsfähigkeiten........%
Vermittlung von Theorie........%
Eigenständige wissenschaftliche Arbeit........%
100%

Wie evaluieren Sie die Erreichung der obengenannten Ziele?

Bitte beschreiben Sie die Evaluation:

  1. bei den einzelnen Student/inn/en

  2. für die Gesamtgruppe

  3. bei sich selbst

In der Beilage finden Sie Vorschläge, wie derartige Evaluationen durchgeführt werden können. Wenn Sie Unterstützung bei der Durchführung einer Evaluation brauchen, wenden Sie sich bitte an ............................................... unter der Tel. Nummer ........................


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