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Zeitschrift für Hochschuldidaktik Nr. 1994/1:
EuroStudienCentres

Franz Palank | Nicolaas Pronk

Editorial

Der Aufstieg der Fernstudien in Europa hat höchst bemerkenswerte Dimensionen erreicht, wie sich schon rein quantitativ belegen läßt. Mehr als 700.000 Studierende verwirklichen im Jahre 1994 ihre Lernambitionen an fernuniversitären Einrichtungen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die großen Fernuniversitäten in Spanien., Großbritannien, Deutschland sowie in den Niederlanden, die inhaltlich und organisatorisch die Leistungsfähigkeit des Fernstudiensystems unter Beweis gestellt haben und seiner Entwicklung Stabilität zu verleihen vermögen. Daß auch in vielen anderen Ländern namhafte Fernstudieneinrichtungen entstanden sind, befördert die Dynamik des Handlungsfeldes ebenso wie neue supranationale Ansätze zur weiteren Verbreitung des Anliegens auf dem ganzen Kontinent. Längst hat die politische Ebene im gesamteuropäischen Rahmen die Vorzüge des Fernstudiums wie Flexibilität, Mobilität, Qualität, Seriosität und nicht zuletzt Kostengünstigkeit erkannt und an die Fahnen der Erneuerung des Hochschulwesens geheftet. Die Europäische Union fördert, wie aus dem 126 des Vertragswesens von Maastricht ersichtlich, mit Nachdruck die Entwicklung des Fernstudiums sowohl auf nationaler wie auch länderübergreifender Ebene.

Zu den Maßnahmen, mit denen die europäischen Fernstudieneinrichtungen den politischen Erwartungen nachkommen wollen, gehört das Konzept der EuroStudyCentres sowie eines gesamteuropäischen Netzwerkes solcher kleiner und wirksamer regionaler Institutionen.

Studienzentren waren und sind genuin wohnortnahe Elemente von Fernstudiensystemen, die der Beratung und Betreuung von Studierenden sowie die Abstimmung der Region mit einschlägigen Angeboten dienen. Zum einen verdeutlichen Studienzentren die weithin unerwartete Integrationsfähigkeit von Fernstudiensystemen gegenüber kommunikationsintensiven Sequenzen des Studierens, zum anderen können sie unentbehrliche Beiträge zur Verknüpfung regionaler Kapazitäten der Erneuerung des Hochschulwesens mit generellen Entwicklungslinien des Open and Distance Learning leisten.

Genau hier setzt nun das Konzept der EuroStudienCentren, das in den letzten Jahren von der European Open University Network (EOUN) der gemeinsamen Institution der Europäischen Fernstudieneinrichtungen, an:

Das im nationalen Rahmen bereits bewährte Konzept der effizienten Umsetzung kommunikationsintensiver Studien über Studienzentren wird in den Dienst supranationaler Interessen der Europäisierung des Hochschulstudiums gestellt. Dies geschieht umso leichter, als mehrere Fernstudiensysteme längst bewiesen haben, daß diese Studienweise auch über Ländergrenzen hinweg klaglos zu funktionieren vermag und ganz neue Dimensionen des Studierens im Ausland erschlossen werden können, sofern Studienzentren auf regionaler Ebene die Aktivitäten mittragen und bereichern. (Beispiele: Deutsche Fernuniversität in Österreich, niederländische Open universiteit in Belgien)

EuroStudienCentren werden somit Einrichtungen, die in besonderer Art den supranationalen Ansprüchen des Open and Distance Learning zuarbeiten wollen. Sie können mit den bestehenden Fernstudienangeboten aus verschiedenen Ländern ebenso verknüpft sein wie mit den integrativen Angeboten, die auf gesamteuropäischer Ebene entwickelt werden. Sie werden eine organisatorische Neuheit des Universitätsbetriebs darstellen, die das Thema der Peripherie in der Organisationsentwicklung des Hochschulbereichs erfolgversprechend und attraktiv anzupacken vermag.

Dieser Sammelband ist der aktuellen bildungswissenschaftlichen Diskussion des EuroStudienzentrumskonzepts gewidmet, die von Einrichtungen der EADTU, insbesondere ihrer EuroStudyCentres Platform gezündet wurden, und - wie schon der Kreis der Autoren verdeutlicht - weite Verbreitung gefunden haben.

An der Spitze des Bandes steht ein Interview, das die Herausgeber mit dem Generalsekretär der EADTU Ch. van Seventer, geführt haben und das einen aktuellen Einblick in den internationalen Hintergrund des Konzepts der EuroStudienCentren gewähren soll. Anschließend stellt N.Pronk das Konzept der EuroStudienCentren ausführlich dar.

Den nächsten Block bilden Analysen, die den Umgangsformen der großen fernuniversitären Einrichtungen mit supranationalen Anliegen sowie der Vorbereitung der Fernuniversitäten auf die neuen EuroStudienCentren gewidmet sind: J. Moreno und L. Tejero beschreiben die Position der spanischen Fernuniversität, A. Tait entwickelt die Geschichte des britischen Engagements in anderen europäischen Ländern, B. Klinkert und R. Ommerborn verdeutlichen exemplarisch die Bemühungen der deutschen Fernuniversität, dem Internationalisierungsanliegen gerecht zu werden.

Die weiteren Artikel sind der Umsetzung des Konzepts, wie sie in den laufenden Diskussionen und Aktivitäten zum Ausdruck kommen, verpflichtet. F. Baert und M. Jansen beschreiben das Projekt zur Entwicklung der EuroStudienCentren in Westflandern, H. Augenstein zeigt die Perspektiven grenzüberschreitender Kooperation anliegender deutscher und französischer Regionen auf, und U. Bernath verdeutlicht den Organisationskontext von EuroStudienCentren und traditionellen Universitäten und P. Bergamin betrachtet den Zusammenhang dieser Neuerung mit Anliegen der Wirtschaft.

S. Buttaroni und F. Palank beschreiben den besonderen kulturellen Kontext der Arbeit von EuroStudienCentren sowie Konsequenzen für das Angebotsprofil. J. Pohjonen veranschaulicht die Bedeutung der elektronischen Medien für die zukünftige Entwicklung solcher Bildungsinstitutionen.

Last but not least wurde ein Block von Beiträgen zum Thema Personalentwicklung zusammengestellt. J. Nieminen präsentiert das Qualifizierungskonzept der EADTU, insbesondere seine zentral zu steuernden Elemente. H.P. Baumeister und J. Wedekind beschreiben ein Qualifizierungsmodell für Mitarbeiter in EuroStudienCentren bezüglich Anwendung elektronischer Medien. G. Lackner und F. Palank verdeutlichen schließlich die Aspekte der Organisationsentwicklung auf der dezentralen Ebene.

Damit hoffen die Herausgeber, einen möglichst breiten Zugang zum Thema offen gelegt zu haben, wenngleich die Fülle der Diskussionsbeiträge in den vergangenen Monaten jeden Vollständigkeitsanspruch dieses Bandes verbietet. Die österreichische Gesellschaft für Hochschuldidaktik, die sich zuletzt mit Nachdruck für die Verknüpfung der Hochschulreform mit der Fernstudienperspektive eingesetzt hat, sei für die Bereitschaft, dieses Thema in die Zeitschrift für Hochschuldidaktik aufzunehmen und damit in kurzer Zeit zweimal Fernstudienfragen in den Vordergrund zu rücken (siehe auch Heft 4/93, Internationalisierung von Fernstudien) herzlichst gedankt.

Wir hoffen, daß dieses Heft die Auseinandersetzungen um die Organisationsentwicklung der Hochschulen und ihrer europäischen Dimensionen zu befruchten und den Fernstudien eine weiteren Zuwachs an Aufgeschlossenheit und Sympathie zu sichern vermag. Wir sind überzeugt, daß das Konzept der EuroStudienCentren mit sicherer Erfolgsaussicht die Bühne der modernen Open and Distance learning betritt.

Die Herausgeber


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